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Janna Gottwald auf einer Konferenz in Oslo (Foto: Hayley Dewe)

Ich bin promovierte und diplomierte Entwicklungspsychologin und Bewegungswissenschaftlerin am Uppsala Child und Baby Lab der Universität Uppsala (Schweden). Ich habe Psychologie (Diplom) mit klinischem Schwerpunkt an den Universitäten Kiel und Potsdam studiert. Derzeit leite ich das dreijährige Projekt “An Embodied Account of Early Executive Functioning“, das von der Schwedischen Wissenschaftsgesellschaft (Vetenskapsrådet) gefördert wird. Dieses Projekt untersucht die frühen Zusammenhänge zwischen motorischen und kognitiven Fähigkeiten in der frühen Kindheit.

Wie erwerben Babys motorische Fertigkeiten und was hat dies mit Denken und Selbstregulation zu tun?

Grundsätzlich beschäftigt sich meine Forschung mit sensumotorischer und kognitiver Entwicklung vom Säuglingsalter bis zur Kindheit. Ich bin besonders daran interessiert, wie Babys neue motorische Fertigkeiten erwerben, wie zum Beispiel nach einem Spielzeug zu greifen, und wie diese Fertigkeiten mit der Entwicklung des frühen Denkens zusammenhängen. Dabei konzentriere ich mich auf die Entwicklung der sogenannten exekutiven Funktionen, wie Arbeitsgedächtnis, kognitive Flexibilität, sowie die Fähigkeit, Impulse zu kontrollieren. Für meine Forschung und meine theoretischen Beiträge im Gebiet Embodied Cognitive Science wurde ich 2018 mit dem Benzeliuspreis und 2019 mit dem Preis für junge, herausragende Forscher_innen in der Psychologie ausgezeichnet.

Was fasziniert mich an der Forschung der frühen motorischen Entwicklung?

Bewegungen und die individuelle Entwicklung verschiedener motorischer Fertigkeiten können uns Aufschlüsse über vorsprachliche Prozesse geben, die eine klassische kognitionspsychologische Perspektive allein nicht abbilden kann. So kann zum Beispiel die Erfassung von kleinsten (mit bloßem Auge nicht unterscheidbaren) Bewegungs-einheiten mit einem Motiontracking-System zu Einsichten über Bewegungsplanung führen. Welche Bewegung beabsichtigt ein Baby auszuführen, nachdem es das zu greifende Spielzeug in den Händen hält? Die Möglichkeit, diese Mikrobewegungen in den Zusammenhang mit den sich entwickelnden kognitiven und selbstregulatorischen Prozessen in der frühen Kindheit zu setzen, begeistert mich.

Wie entwickeln wir ein Gefühl für unseren Körper?

Des Weiteren bin ich daran interessiert zu verstehen, wie Kinder die Wahrnehmung für ihren Körper entwickeln. Dabei finde ich es vor allem wichtig, den großen Einfluss, den Bewegung auf das Wissen über das körperliches Selbst ausübt, zu betrachten. In meinem Postdoc mit Dorothy Cowie an der Universität Durham in Großbritannien habe ich erforscht, wie Kinder Berührung und Propriozeption (den Körpersinn) verbinden, um zu bestimmen, wo sich ihre Hände gerade befinden (auch wenn sie diese mal nicht sehen). Dies ist gar nicht so einfach für Kinder!

Falls Sie mehr über meine Forschung erfahren möchten, können Sie mich auch auf den folgenden Plattformen finden: OSFResearchGateGoogleScholarMendeleypublonsORCID, LinkedIn. Mir macht es Spaß, über die Wissenschaft und die akademische Welt zu tweeten (@JannaGottwald). Wissenschaftskommunikation auf Englisch, Schwedisch oder Deutsch begeistert mich. Übrigens: Falls ich nicht gerade mit meiner Forschung beschäftigt bin, bin ich vermutlich gerade unterwegs und fotografiere (@kvinnalene auf instagram).